
Unser langjähriger Ornithologe Reiner Schmahl berichtet für das Frühjahr 2026 von einer insgesamt gemischten Situation bei den Kranichen. Die vergangene Zugsaison war von einer besorgniserregenden Entwicklung geprägt: Entlang des Westzugs und in den Überwinterungsgebieten wurden ungewöhnlich viele tote Tiere gefunden, insbesondere in Brandenburg und Niedersachsen infolge der Vogelgrippe. Welche Auswirkungen diese Verluste auf die Population haben werden, ist derzeit noch unklar.
In der Schaalseeregion blieb die Lage vergleichsweise ruhig. Hier wurden nur wenige verendete Kraniche festgestellt. Auffällig war jedoch der frühe Wegzug vieler Tiere bereits im September und Oktober 2025 nach Niedersachsen – und ihre ebenso frühe Rückkehr. Im Januar und Februar konnten über längere Zeiträume hinweg mehr als 2.000 Kraniche gezählt werden.
Während ein Teil später weiter ostwärts zog, blieben die heimischen Brutpaare und besetzten früh ihre Reviere. Eine besonders anschauliche Beobachtung gelang bei Kneese: Dort zog ein Brutpaar gemeinsam mit seinem im Sommer 2025 geschlüpften Jungvogel ins Wintergebiet. Im Dezember kehrte die Familie vollständig zurück. Dieses Verhalten ist typisch – Jungkraniche bleiben im ersten Lebensjahr bei den Eltern, lernen die Zugroute und überwintern gemeinsam mit ihnen, bevor sie sich im folgenden Frühjahr von den Eltern trennen und eigenen Gruppen anschließen.
Bei ersten Kontrollen 2026 fehlten jedoch noch einige Brutpaare. Ob dies an der Vogelgrippe oder an kühlen Nächten liegt, bleibt offen. Positiv ist der Wasserstand im März, auch wenn erste Rückgänge sichtbar werden.
copyright: Foto: Kraniche. Fotoautor: Georg Wietschorke, pixabay